E-Bike Tests

Shokz OpenRun Pro 2 im Test: Die besten Bike-Kopfhörer für offene Ohren

Lesezeit etwa 7 Minuten

Kopfhörer beim Radfahren sind ein heikles Thema. In-Ears schotten gegen die Umgebung ab — und damit auch gegen herannahende Autos, Klingelzeichen und vorbei rollende Bahnen. Knochenschall-Kopfhörer lösen genau dieses Problem: Sie sitzen vor dem Gehörgang und lassen das Ohr frei. Wir haben die neuen Shokz OpenRun Pro 2 über mehrere Wochen ausgiebig auf dem Rad getestet — und sind so begeistert, dass wir sie ab sofort nicht mehr missen wollen.

Knochenschall — warum ist das fürs Biken so interessant?

Bevor wir in den Test einsteigen, kurz die Technik: Knochenschall-Kopfhörer liegen nicht im Ohr, sondern auf dem Wangenknochen vor dem Gehörgang. Sie übertragen den Schall über minimale Vibrationen direkt ins Innenohr. Das Gehör bleibt offen — Sie hören weiter, was um Sie herum passiert: Autos, Klingeln, Sirenen, Mitfahrer.

Im Radverkehr ist das nicht nur ein netter Komfort-Bonus, sondern ein echtes Sicherheits-Argument. Wer in der Stadt unterwegs ist oder auf Pendelstrecken zwischen Autos schwimmt, will mitbekommen, was hinter ihm los ist. In-Ears verhindern das. Die Pro 2 lassen es zu — und liefern trotzdem ein vollwertiges Musik- und Telefonerlebnis.

Erster Eindruck: Leicht, fest, komfortabel

Beim Auspacken fällt sofort das geringe Gewicht auf: 30 Gramm, dazu ein flexibler Bügel aus Nickel-Titan-Memory-Legierung, der sich um den Kopf legt, ohne zu drücken. Im Vergleich zum Vorgänger hat Shokz nach eigenen Angaben die Klemmkraft um 16 Prozent reduziert — und das spürt man. Auch nach mehreren Stunden vergessen wir, dass wir die Kopfhörer überhaupt aufhaben.

Wichtig für Radfahrer: Die Pro 2 sind helmkompatibel. Der Bügel verläuft hinter dem Kopf, alle gängigen Fahrradhelme — auch enger sitzende Aero- und MTB-Helme — schließen darüber problemlos. Auch eine Sonnenbrille (oder Korrekturbrille) stört nicht, da die Brillenbügel und der Kopfhörerbügel an unterschiedlichen Stellen sitzen.

Klang: Endlich Bass

Wer Knochenschall-Kopfhörer früherer Generationen kennt, wird sich an einen Punkt erinnern: Der Klang war okay, aber Bass war ein Fremdwort. Genau hier hat Shokz mit der zweiten Generation der Pro-Serie nachgelegt. Die neue DualPitch™-Technologie kombiniert klassischen Knochenschall mit zusätzlichen Schwingungselementen — und das Ergebnis ist hörbar.

Im Test überrascht der Bass-Bereich. Elektronische Musik, Hip-Hop, treibende Rock-Tracks — alles bekommt das Fundament, das man von guten In-Ears erwartet. Klassik und Akustikgitarre klingen warm und natürlich. Stimmen liegen klar oben, ohne zu schrill zu werden. Für Knochenschall ist das ein außergewöhnlich gutes Ergebnis und liegt deutlich über dem, was man in dieser Bauform erwartet.

Wichtig zu wissen: Auch wenn der Klang spürbar besser ist als bei früheren Modellen, lassen sich offene Kopfhörer bauartbedingt nicht mit geschlossenen In-Ears 1:1 vergleichen. Bei hoher Lautstärke spürt man leichte Vibrationen am Wangenknochen — was Shokz-typisch ist und kein Mangel. Wer Stille und maximale Bass-Wucht beim Pendeln in der U-Bahn sucht, ist mit klassischen In-Ears besser bedient. Wer auf dem Rad Musik hören und gleichzeitig die Umgebung wahrnehmen möchte: klare Empfehlung Pro 2.

Auf dem Rad: Das eigentliche Aha-Erlebnis

Sicherheit im Stadtverkehr

Wir haben die Pro 2 auf Pendelstrecken, Feierabendrunden und einer mehrtägigen E-Bike-Tour eingesetzt. Im Stadtverkehr ist der größte Vorteil sofort spürbar: Wir hören den herannahenden LKW, die klingelnde Straßenbahn und die Mitfahrer auf der Tour ohne Verzögerung. Musik läuft entspannt im Hintergrund, ohne das Hörbild der Umgebung zu überdecken.

Dazu kommt: In Deutschland ist das Tragen von Kopfhörern beim Radfahren nicht generell verboten, solange das Gehör nicht erheblich beeinträchtigt wird (§ 23 Abs. 1 StVO). Mit Knochenschall-Kopfhörern erfüllt man diese Bedingung problemlos — anders als mit klassischen In-Ears, die das Gehör massiv abschotten.

Halt auch im Gelände

Auf Schotterwegen, Wurzelpassagen und ruppigem Untergrund — alles, was man auf einer Trekking- oder E-MTB-Tour erlebt — sitzen die Pro 2 absolut bombenfest. Kein Verrutschen, kein Wackeln, auch nicht beim Stehversuch auf dem Pedal in steilen Anstiegen. Der Memory-Legierungs-Bügel federt minimale Erschütterungen weg.

Wind und Wetter

Der IP55-Standard hält dem Test stand: Regen, Schweiß, aufgewirbelter Schmutz — alles kein Problem. Auch bei Tempo 35 km/h auf dem Pedelec gibt es keine störenden Windgeräusche durch die Mikrofone (Telefonate kommen klar und verständlich an). Für reine Schwimmeinsätze ist der Pro 2 nicht gedacht — wer im Wasser hören will, greift im Shokz-Lineup zum OpenSwim. Für alles, was an Land mit dem Bike möglich ist, reicht IP55 absolut aus.

Akku und Laden: Mehr als genug

Auf dem Datenblatt verspricht Shokz 12 Stunden Akkulaufzeit. Im Praxistest kommen wir auf ehrliche 10 bis 11 Stunden bei mittlerer Lautstärke und mehreren angenommenen Telefonaten — also vergleichbar mit dem Datenblatt. Das reicht für eine komplette Tagestour inklusive Pausen-Musik und Tagesabschluss-Podcast.

Praktisch ist auch die Schnellladefunktion: 5 Minuten an der USB-C-Buchse reichen für 2,5 Stunden Hörzeit. Wer kurz vor der Abfahrt feststellt, dass die Pro 2 leer sind, hat sie auf dem Weg ins Treppenhaus quasi nachgetankt. Eine volle Ladung dauert eine Stunde, der Standby hält die Akkus bis zu 10 Tage.

Bedienung und Komfort

An der rechten Hörmuschel sitzen Multifunktionstaste, Lautstärke-Plus und Lautstärke-Minus — alles physische Knöpfe, die sich auch mit Handschuhen blind erfühlen lassen. Die Tasten haben einen klaren Druckpunkt, kein versehentliches Auslösen während der Fahrt. Bluetooth 5.3 sorgt für eine stabile Verbindung; im Test gab es auf der gesamten Reichweite keine Abbrüche, auch nicht in stark frequentierten WLAN-Zonen wie Bahnhöfen.

Die Pro 2 unterstützen Multipoint: zwei Geräte gleichzeitig verbunden. Wer auf der Tour das Smartphone und die Fahrrad-Smartwatch parallel im Eingriff hat, schätzt das. Anruf auf dem Handy unterbricht die Musik, wenn das Telefonat beendet ist, läuft sie weiter — ohne erneutes Pairing.

Die technischen Daten im Überblick

EigenschaftWert
BauformKnochenschall (Bone Conduction), offenes Ohr
KlangtechnologieDualPitch™
AkkulaufzeitBis zu 12 Stunden (praxisnah 10–11 h)
Schnellladung5 Minuten = 2,5 Stunden Musik
Ladezeit (voll)1 Stunde
StandbyBis zu 10 Tage
Bluetooth5.3 mit Multipoint (2 Geräte)
SchutzartIP55 (Schweiß- und regenfest)
Gewicht30,3 Gramm
LadeanschlussUSB-C
UVP199,00 €

Was uns gut gefallen hat

  • Open-Ear-Design — Umgebung bleibt hörbar, Sicherheit im Verkehr
  • Deutlich verbesserter Klang dank DualPitch™, endlich brauchbarer Bass
  • Bombenfester Sitz auch auf ruppigem Untergrund
  • Helmkompatibel — passt unter alle gängigen Fahrradhelme
  • Bis zu 12 Stunden Akku — reicht für lange Touren
  • 5 Minuten Schnellladung = 2,5 Stunden Musik
  • IP55 macht Regen und Schweiß kein Thema
  • Bluetooth 5.3 + Multipoint — zwei Geräte gleichzeitig
  • Klare Mikrofone mit Geräuschunterdrückung — Telefonieren auch bei Tempo möglich
  • Mit 30 Gramm extrem leicht

Was man wissen sollte

  • Knochenschall bleibt anders als In-Ears — wer maximale Bass-Wucht in der lauten U-Bahn sucht, ist mit klassischen Modellen besser bedient
  • UVP 199 € ist kein Spontankauf — der Aufpreis zur Vorgängergeneration zahlt sich aber durch besseren Klang aus
  • IP55 reicht für Regen, Schweiß und Schmutz — schwimmen sollte man damit nicht (dafür gibt es bei Shokz den OpenSwim)

Fazit: Die besten Bike-Kopfhörer, die wir bisher hatten

Die Shokz OpenRun Pro 2 sind nicht nur für Jogger gemacht, auch wenn die Marketing-Sprache das suggeriert. Sie sind die idealen Begleiter für jeden, der mit dem Rad unterwegs ist — vom morgendlichen Pendler über die Feierabendrunde bis zur mehrtägigen E-Bike-Reise. Das offene Ohr garantiert die nötige Wahrnehmung der Umgebung, der Tragekomfort lässt einen die Kopfhörer schlicht vergessen, und der Klang ist endlich auf einem Niveau, das auch verwöhnte Hörer überzeugt.

Wer ein Bike fährt — egal ob klassisches Fahrrad, S-Pedelec oder schweres Cargo — und unterwegs Musik, Podcasts oder Hörbücher hören möchte, ohne sich vom Verkehr zu isolieren, sollte sich die Pro 2 in jedem Fall ansehen. Klare Empfehlung von uns.

Mehr Infos zum Produkt: de.shokz.com/products/openrunpro2


Über die Autorin

Julia Hinze

Julia Hinze schreibt für VeloStrom über E-Bike-Trends, neue Modelle und nachhaltige Mobilität. Ihr besonderes Interesse gilt urbanen E-Bikes, innovativen Rahmen-Materialien und Marken mit klarer Designsprache.